Bewegung und energetische Erdung des Körpers

Der Begriff Erdung wird gerne in ganzheitlichen Betrachtungsweisen der Gesundheit verwendet, um einen Zustand der Lebensenergie zu beschreiben, der Ausgewogenheit im Energiefluss, gesunde Wärmeproduktion, gute Assimilation von Nährstoffen und generell die Fähigkeit, von gesundheitlich wertvollen Einflüssen auch wirklich zu profitieren, beinhaltet. Wenn der Körper nicht gut geerdet ist, kann dies vielfältige nachteilige Wirkungen auf die Verdauung, die Regenerationsfähigkeit und das innere Gleichgewicht haben. Mangelnde Erdung äußert sich auch oft in der Unfähigkeit, längere Zeit ohne Nahrung in einem angenehmen Körpergefühl zu verbleiben. Zyklen ohne Nahrung sind aber für die Regeneration unseres Körpers von entscheidender Bedeutung. Das wichtigste Regenerationshormon HGH, das wir für den Erhalt von Muskelmasse und Knochendichte brauchen, sowie die zellreparierenden Sirtuin – Protein werden nur in nach mehreren Stunden mit nüchternem Magen produziert. Auch die Assimilation der Nahrung deutlich besser und damit der Nahrungsbedarf auf natürliche Weise geringer, wenn wir gesunden Hunger zulassen können. Wer sich Erdung vor allem über Nahrung holen muss, gerät somit in einen ungünstigen Kreislauf: Man hat häufig Hunger, der unangenehm ist, muss deshalb häufig essen, wodurch aber die Verdauungsorgane und die Leber nicht ausreichend Zeit für Regeneration haben, was wiederum häufigeres Essen notwendig macht, weil die Nahrung nicht gut assimiliert wird. Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, die energetische Qualität von Erdung unabhängig von Nahrung so im Körper zu verankern, dass man auch auf angenehme Weise längere Zeit ohne Essen auskommt.

Bewegung und Energiekultivierung

Grundsätzlich brauchen wir Bewegung, um Regeneration im Körper anzuregen. Langes Sitzen ohne Bewegungspausen ist für den Körper ausgesprochen ungünstig und Ärzte wie Dr. James Levine von der Mayo Klinik in den USA sprechen inzwischen von Sitzkrankheiten. Der Körper belebt und regeneriert sich dadurch, dass er immer wieder den Anreiz verspürt, auf Kräfte, die auf ihn einwirken zu reagieren. Diesen Aspekt der Körperschulung nennt man Propriozeption und die wohl wichtigste Kraft des propriozeptiven Trainings ist die Schwerkraft. Wenn uns über lange Zeit Stühle einen Großteil der Arbeit mit der Schwerkraft abnehmen, schlafen regenerative Funktionen des Körpers ein, es gibt ungünstige Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel und den Stoffwechsel generell. Regelmäßige Bewegungspausen, in denen man zumindest für 1–2 Minuten aufsteht und ein paar Schritte geht oder sich im Stehen etwas streckt, sind eine sehr wichtige Basis für die Gesundheitserhaltung bei sitzender beruflicher Tätigkeit.
Die Bedeutung der Propriozeption erklärt auch, warum Training an den meisten Fitnessgeräten wenig Sinn macht. Alle Geräte, die Bewegungen und damit Muskelaktivität isolieren und keine Anforderungen an Koordination, Bewegungsgefühl und Gleichgewicht stellen, bauen lediglich „tote“ Kraft auf, die kaum Bezug zu Gesundheit hat, kaum etwas für gesünderes Bindegewebe, elastischere Faszien, höhere Knochendichte und Regenerationsfähigkeit des Körpers bewirkt. Man kann mit einem solchen Training vielleicht den gestylten Körpern der Hochglanz–Magazine nacheifern, nachhaltige Gesundheit fördert man damit aber nicht.

Sinnvolles Krafttraining

Glücklicherweise gibt es inzwischen eine Fülle an Angeboten, um gesundheitsförderliches Krafttraining zu lernen. Alle Arten des Trainings, die den Körper vielseitig stimulieren und gleichzeitig Anforderungen an Kraft, Koordination und Bewegungsgefühl stellen, können Vitalität und Erdung fördern. Ob Kettlebell – Training oder die vielfältigen Übungen, bei denen man das eigene Körpergewicht mit auf anspruchsvolle Weise zu bewegen lernt, zum Gerätepark im Fitnessstudio gibt es viele sinnvolle Alternativen. Ein Übungsprogramm sollte herausfordernd sein, Spaß machen und die richtige Balance der Intensität finden. Der Körper braucht Anreize des Trainings, wird aber stärker in der Pause nach dem Training. Krafttraining sollte prinzipiell niemals mit Muskelkater von einer vorherigen Belastung durchgeführt werden, weil ansonsten Übertraining erzeugt wird, dass den Körper schwächt und die Lebensenergie der Nieren verschleudert.

Sinnvolles Ausdauertraining

Lange Zeit galt extensives Ausdauertraining als ganz besonders gesund, eine Idee, die vom Erfinder des Gesundheitsjoggings, dem deutschen Arzt Ernst van Aaken begründet wurde. Diese Sichtweise besteht nicht mehr uneingeschränkt. Gerade Laufen ist aufgrund der geringen muskulären Belastung eine Sportart, bei der man sehr leicht in ein Übertraining des Herz – Kreislaufsystems geraten kann. Zu intensives oder zu umfangreiches Lauftraining führt zu einer erhöhten Produktion an freien Radikalen im Stoffwechsel. Intensiv trainierende Läufer haben ein erhöhtes Risiko, an Herzmuskelentzündungen zu erkranken. Außerdem kann die klassische Lauftechnik mit einem Aufsetzen des Mittelfußes Knie – und Hüftgelenke und die Wirbelsäule übermäßig belasten.
Barfusslaufen oder Laufen mit der Ballentechnik, bei der das Körpergewicht so auf dem Fußballen aufgefangen wird, dass ein weiches Nachgeben des Fußgelenks möglich ist, können das Verletzungsrisiko der Gelenke durch Lauftraining deutlich reduzieren. Diverse Barfussschuhe wie Leguanos oder Zehenschuhe sind für diesen Zweck sinnvoll, weil die üblichen Laufschuhe mit dicken Sohlen für Dämpfung des Fußaufsetzens sorgen sollen, damit aber für eine Ballenlauftechnik ungeeignet sind. Lauftraining sollte auch von kleinen Abschnitten des Rückwärtslaufens oder Rückwärtsgehens begleitet werden, weil dadurch andere Trainingsreize für die stützenden Muskeln der Gelenke gesetzt werden.
Mit Ausdauertraining sollte in jedem Fall ausgesetzt werden, wenn akute Infektionen auch bei sehr leichten Symptomen vorliegen. Viele Ausdauersportler haben ehrgeizige Vorgaben für ihr Training, wenn sie für einen Marathon, Triathlon, ein Radrennen oder andere Wettkämpfe trainieren und ein mental vorgegebenes Soll in Bezug auf absolvierte Trainingskilometer kann gesundheitlich sehr abträglich sein, wenn der Körper Erholung braucht.

Übungssysteme für Lebensenergie

Yoga, Qigong, Taiji und andere Praktiken, die darauf abzielen, Körper und Lebensenergie in Harmonie zu bringen, können gesundheitlich enorm wertvoll sein. Von sehr sportlich veranlagten Menschen werden solche Methoden manchmal unterschätzt, weil sie oft unspektakulär aussehen und auch nicht unbedingt zu einem Körperbau führen, der dem westlichen Klischee von Kraft oder Fitness entspricht. Aber Fitness ohne Kultivierung von Lebensenergie bleibt unvollständig und fördert nicht unbedingt die Gesundheit.

In der taoistischen Definition von Kraft im Körper wird äußere und innere Kraft unterschieden. Äußere Kraft entspricht den athletischen Fähigkeiten von Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer wie man sie in den meisten Sportarten benötigt. Innere Kraft bedeutet, einen freien Fluss von Qi zu erleben, gesunde Erdung, Ausgeglichenheit und auf dieser Basis Kraft und Ausdauer, die realen Lebensanforderungen entsprechen.

Ein Taiji – Meister wird mit 40 Jahren gegenüber einem 40jährigen Marathonläufer oberflächlich betrachtet als weniger ausdauernd erscheinen. Aber die Art der Ausdauer, die der Taiji – Meister hat, erlaubt ihm das tägliche Leben mit allen körperlichen und emotionalen Herausforderungen entspannt zu meistern und sich so zu regenerieren, dass seine innere Kraft wächst. Mit 85 Jahren würde er dann vielleicht auch den ehemaligen Marathonläufer im Laufen abhängen, der möglicherweise inzwischen Arthrose in den Knien hat und wesentlich schneller gealtert ist.

Ich habe auch von Meistern des Qigong und Taiji gelernt, die nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden konnten, auch wenn viel größere und in athletischer Hinsicht viel stärkere jüngere Kampfsportler mit aller Macht versuchten, sie zu schieben, zu stoßen oder anderweitig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die jungen Kampfsportler konnten vielleicht beeindruckende Gewichte beim Bankdrücken stemmen, ihren Körper effektiv in Balance halten konnten sie nicht und deswegen war die perfekte Balance eines kleinen Taiji–Meisters für sie ein unlösbares Problem.

Innere Kraft verbindet den Körper zu einer energetischen Einheit und lehrt ihn, ökonomisch zu funktionieren. Sie wird auch im Alter nicht geringer. Ich werde jetzt als 46jähriger nicht mehr an meine besten Zeiten im Laufen und Triathlon anknüpfen können, zwei Sportarten, die ich in meiner Jugend intensiv betrieben habe. Kein Training kann mir diese Art äußere Kraft verleihen, die ich in jüngeren Jahren hatte. Aber meine innere Kraft ist sehr viel stärker, als zu meinen sportlichsten Zeiten in meiner Jugend und wird in 20 Jahren nochmals sehr viel stärker sein, als jetzt.

Doch wie wäre es, wenn innere und äußere Kraft zusammen kultiviert werden könnten?

Wenn wir also einen kraftvollen Fluss von Lebensenergie und Kraft und Ausdauer gemeinsam entwickeln, ohne endlos viele Übungsprogramme absolvieren zu müssen? Diese Möglichkeit lernte ich in einigen der inneren Kampfkünste kennen, in denen Lebensenergie auf eine Weise kultiviert wird, dass Sanftheit und freier Bewegungsfluss mit Kraft, Explosivität und intensivem Körpertraining kombiniert werden. Diese Kombination der yin- und yang–Qualitäten von Energietraining ist zumeist nur wenig bekannt.

Viele Menschen haben von Aikido gehört und wissen, dass dies eine „sanfte“ Kampfkunst ist, in der man einen körperlichen Konflikt löst, indem man die aggressive Energie eines Angreifers ins Leere laufen lässt. Kaum bekannt ist dagegen, dass Ueshiba, der Gründer des Aikido, einer der körperlich stärksten Menschen war, die je gelebt haben. Er konnte Bäume mit 15cm Durchmesser mit seinen bloßen Händen entwurzeln und einen ausgewachsenen Mann in der Luft halten, der auf einer Lanze saß, die Ueshiba mit ausgestrecktem Arm hielt.

Die körperliche Kraft und Robustheit, die mit stabilen Knochen, gesundem Bindegewebe und einer hohen Produktion an regenerierenden Hormonen einhergeht, mit dem freien Fluss an Lebensenergie zu kombinieren, der durch weiche, fließende Bewegungen, bewusste Atmung und Körperspüren entsteht, ist ein wirklich vollständiger Ansatz, um Erdung durch Bewegung zu erreichen. Meiner Beobachtung nach bewirkt dieses Training in Menschen sehr schnell ein fundamental neues Körpergefühl, dass gute Erdung, Stabilität, eine gute Wärmeproduktion und ein Gefühl der Unerschütterlichkeit mit sich bringt.

Mehr Informationen zu diesem speziellen Energietraining gibt es hier:
http://www.befreite-ernaehrung.de/index.php/ausbildung/


Christian Dittrich-Opitz
Christian Dittrich-Opitz, Autor, Seminarleiter, Ernährungsberater, Experte der Lebensenergie-Konferenz: zum Expertenprofil