One World One Voice

Ich bin gerade endlich mal wieder in der Welt unterwegs und erlebe eine fremde und irgendwie auf einer anderen Ebene doch vertraute, neue Welt: Sri Lanka. In dieser Ecke des Planeten war ich bislang noch nicht. Einer der ersten intensiven Eindrücke gleich nach Flughafen und Passkontrolle war eine mehrstündige Fahrt mit dem Bus Richtung Süden. Der Fahrer hatte fette Boxen direkt über seinem Sitz angebracht (direkt neben meinem Sitz), die die ganze Fahrt über in voller Dröhnung die Fahrgäste beschallte…..so´ne Art endloser Banghra-Happy-Pop. Obwohl ich totmüde war und deswegen meine Sinne hochsensibel waren, musste ich doch die ganze Fahrt über schmunzeln. Was wäre die Welt doch für ein langweiliger Ort ohne Musik (auch wenn ich Stille sehr zu schätzen weiß). Noch mehr grinsen musste ich bei der Vorstellung, dass bei uns in Deutschland jeder Busfahrer sein eigenes Soundsystem im Bus anbringen und damit seine Fahrgäste mit seiner Lieblingsmusik volldröhnen würde. Bei unserer bunt gemischten Musik-Kultur wäre es dann ein Glücksspiel, auf was der jeweilige Fahrer gerade steht: da kann man nur hoffen, dass man keinen Schlager-Fuzzy oder Deathmetal-Gruftie erwischt 🙂 Hier in Sri Lanka dudelt überall die gleiche Musik. Ich find´s köstlich.

Nun ja, passend zu meinem aktuell erfrischten weltreisenden Weltbürgergefühl habe ich diesmal als Lebensenergie-Musik-Tipp den Musikfilm „One World One Voice“ ausgewählt, den es Gott-sei-Dank wieder auf Youtube als ganzen Film zu sehen gibt (eine Weile war er nicht mehr zu finden).
Bereits 1990 erschienen ist es immer noch ein zeitlos-genialer einstündiger und im wahrsten Sinne des Wortes Weltmusik-Song. Kevin Godley, den Älteren von uns, die die 70er und 80er musikalisch bewusst miterlebt haben, vielleicht noch als Mitglied der Band 10cc in Erinnerung („Dreadlock holidays“ und „I´m not in love“ waren die größten Hits), hatte die Idee für eine Art musikalischen Kettenbrief. Angefangen hat glaube ich alles mit einer Bass-Line, die Sting eingespielt hat. Dann wurde das an den nächsten Musiker weitergeleitet, der einen nächsten Part dazu eingespielt hat….usw. So reiste Godley rund um die Welt und nahm Beiträge von einigen Hunderten Musikern auf: bekannte Pop-, Rock-, Folk- und Jazz-Größen der westlichen Welt auf der einen Seite wie z.B. Afrika Bambaataa, Laurie Anderson, The Chieftains, Peter Gabriel, Bob Geldof, Dave Gilmour, Egberto Gismonti, The Gipsy Kings, Chrissie Hynde, Lou Reed, Robbie Robertson, Dave Stewart oder Suzanne Vega und Weltmusiker verschiedenster Kulturen wie z.B. die Bagamoya Players, Johnny Clegg & Savuka, Salif Keita, Kodo Drummers, Ray Lema, Milton Nascimento, Nusrat Fateh Ali Khan, Remmy Ongala, Geoffrey Oryema, Mari Boine, Hossam Ramzy oder GuoYue.

Das Ganze wurde dann genial zusammengemixt: es spielen virtuell immer mehrere Musiker an unterschiedlichen Orten zusammen, Ein weiterer kommt dazu oder ein anderer wird ausgeblendet. Die Musik verändert ich ständig ohne das man es bewusst merkt, weil man voll in diese musikalischen Reise eintaucht. Es beginnt mit Robbie Robertson, der die weltbekannte Hopi-Prophezeiung spricht und endet mit einem fulminanten Finale, bei dem die japanischen Kodo-Drummer das Ganze mit dem Leningrad Symphony Orchestra zum ekstatischen Höhepunkt bringen. Wirklich fantastisch. Ein Klassiker und Muß für alle Weltmusik-Freunde.

Wir sind EINE Welt, mögen das möglichst schnell alle Menschen auf diesem Planeten fühlen und verstehen und danach handeln. Und wenn´s eine Weltsprache gibt, dann ist es die Musik: ONE VOICE.

In diesem Sinne wünsche ich eine bewegende Reise rund um den Globus.